9. Irrtum: „Jetzt kann man schon nach 3 Jahren Restschuldbefreiung erhalten!“

Insogenes gibt Insolvenz-Tipps, wer er ist. Witzige Strichzeichnung in Cartoon-Art von Insogenes dem frechen Insolvenz-Philosophen.„In der Tat wurde im Jahr 2014 die Insolvenzordnung geändert und vom Gesetzgeber mit einem lauten TamTam angekündigt, dass die Laufzeit bis zur Restschuldbefreiung deutlich verkürzt würde. Diese wird nämlich im internationalen Vergleich von vielen als zu lang empfunden. Schnell wurde dann auch der große Durchbruch verkündet und landauf, landab verkündeten die Schlagzeilen der Massen verdummenden Pseudopresse Restschuldbefreiung bereits nach 3 Jahren. Kein Wunder also, dass in vielen Betroffene die Hoffnung geweckt wurde, schneller als bisher von der erdrückenden Last befreit zu werden.

Wie so oft hält die Politik aber auch hier nicht das, was sie lauthals verkündet 😡. Theoretisch, nein sogar praktisch, kann der Insolvenzschuldner nun bereits nach 36 Monaten beantragen, von seinen Schulden befreit zu werden, wenn… Ja, wenn er denn die Voraussetzungen für diese vorzeitige Schuldbefreiung in der Mogelpackung erfüllt. Zum einen muss der Schuldner nämlich 35 % seiner Verbindlichkeiten in dieser Zeit abbezahlen. Nicht wenig, wenn man bedenkt, dass die Insolvenzverfahren in weit überwiegender Menge mangels pfändbarem Einkommen gar keine Abzahlung ergeben. 🙄 Mit diesen 35 % aber nicht genug, die Kosten des Verfahrens für Gericht und Verwalterhonorar müssen ebenso erbracht werden. Da wird es dann richtig interessant, wenn man sich einmal damit beschäftigt, wie das Honorar des Insolvenzverwalters berechnet wird. Fachleute schätteln daher nur den Kopf. Sie machten deutlich, dass nur in den allerseltensten Fällen die Bedingungen zu erfüllen seien, die der § 300 InsO in reformierter Form an eine vorzeitige Erteilung der Restschuldbefreiung knüpft.“

Lange Rede, kurzer Sinn: wer von seinen Schulden nach 3 Jahren befreit werden will, der muss de facto 50-70 % seiner Schulden aufbringen. Das ist zum einen vollkommen irrwitzig, zum anderen geht niemand in Insolvenz, der diese Quote realisieren kann. Mit diesem Vorgaben wird selbst ein drittklassiger Anwalt einen Vergleich mit den Gläubigern erreichen und den Gang ins Insolvenzverfahren somit verhindern. Was also der Sinn dieser Gesetzesnovelle ist? Ich weiß es nicht und ich glaube, auch sonst weiß es niemand. Man war beschäftigt in Berlin und konnte wieder einmal warme Luft in die Atmosphäre blasen und Augenwischerei betreiben. Mein Rat: Fallt nicht auf diesen faulen Zauber rein!“

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