6. Irrtum: „Die Verbraucherinsolvenz ist viel einfacher als die normale!“

Insogenes gibt Insolvenz-Tipps, wer er ist. Witzige Strichzeichnung in Cartoon-Art von Insogenes dem frechen Insolvenz-Philosophen.„Nun fall nicht auf diesen Schildbürgerstreich herein, denn es gibt keine zwei Verfahrensarten (mehr). Geplant war das mal anders. Für Verbraucher sollte ein „vereinfachtes Verfahren“ eingeführt werden. Blauäugig wie der Gesetzgeber nun mal ist, dachte er bei Insolvenzeinführung, dass sich die Gläubiger in der Regel beim vereinfachten Verfahren (= Verbraucherinsolvenz) freiwillig mit den Schuldnern einigen würden ?.

Außerdem war er so von seiner Verbraucherinsolvenz überzeugt, dass er Sorge hatte, das „richtig Insolvente“ alle ins „vereinfachte Verfahren“ wollen. Dies muss unbedingt verhindert werden, dachte sich die Politik (wobei ‚denken‘ hier kaum das richtige Wort ist ?).

Was machte man? Komplizierte und  vollkommen sinnlose obligatorische Einigungsversuche sowie bescheuerte Selektionsverfahren (wer muss in welche Verfahrensart) wurden zum Geschäftsmodell von Deutschlands Schuldnerberatungsstellen. Das Antragsformular toppt jedes Steuerformular und jeder musste „hurrah!“ schreien, der nicht in dieses hochkomplizierte „vereinfachte Verfahren“ ? musste. Mehr als 15 Jahre wurde dann an dem Mist rumgedoktert, anstatt das „vereinfachte Verfahren“ einfach in die Tonne zu treten.

Das geschah erst zum 01.07.2014, als die §§ 312-314 InsO ersatzlos wegfielen. Klammheimlich war damit die ‚Verbraucherinsolvenz‘ gestorben. Das könnte man jetzt einfach nur TOP? nennen, hätten unsere Gesetzesfummler in Berlin die Idiotie nicht auf die Spitze getrieben. Diesen bekloppten obligatorischen Einigungsversuch hat man nämlich beibehalten und ebenso dieses o. a. Selektionsverfahren ?.

Da wird nun nicht mehr länger selektiert, in welches Verfahren der Insolvente kommt (denn es gibt ja nur noch eine einzige Verfahrensart), aber es wird selektiert, wie man das Verfahren nennt. Für die einen nennt man es ‚Regelinsolvenz‘ und für die anderen ‚Verbraucherinsolvenz‘. Ist zwar das Gleiche drin, aber wenn man es nur lange genug so nennt, dann glauben auch alle, dass es das Genannte auch gibt. Dieser Quatsch klappte nicht nur bei des Kaisers neuen Kleidern, sondern ebenso bei der Verbraucherinsolvenz. Ich spende hierfür glatt den Verarschungspokal ?des Jahres.“

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