11. Irrtum: „Wer insolvent ist, der ist das selber schuld und bekommt dennoch mit der Insolvenz eine zweite Chance!“

Die Insolvenzordnung (InsO) inklusive Restschuldbefreiung sollte Menschen, die unverschuldet in eine ausweglose wirtschaftliche Lage geraten sind, eine Möglichkeit zum wirtschaftlichen Neuanfang geben, der sogenannten „2. Chance“.  Deshalb wurde bereits im Gesetzesentwurf vom Frühjahr 1992 als Ziel des Insolvenzverfahrens definiert:

Ein Schuldner, der trotz redlichen Bemühens wirtschaftlich gescheitert ist, erhält nach Durchführung eines Insolvenzverfahrens die Chance, sich von seinen restlichen Schulden zu befreien.

Dieses Ziel hat natürlich so einiges in sich. Allein der Zusammenhang von „wirtschaftlich scheitern“ und einem „redlichen Bemühen“ treibt einem ja die Wuttränen in die Visage. 😡 Was ist mit den Wirtschaftkapitänen? Haben auch die sich „redlich bemüht“, wenn denn der eine Konzern vom anderen geschluckt wird? Hört man in diesem Zusammenhang je etwas von wirtschaftlichem Scheitern? 🤔 Oder hört man nur von „Fusion gleichwertiger Partner“, „Sicherung der Arbeitsplätze“, „Fitmachen für die Zukunft“ und „Synergien nutzen zum Wohle der Menschen“? 🤥 Und wie steht es mit den Bänkern? Sind auch diese „trotz redlichem Bemühen“ in die Bankenkrise gerutscht? Oder wurde Ihnen vielmehr schon das Scheitern erspart, so dass eine 2. Chance erst gar nicht vonnöten war? Stichwort: „Too big to fail!“

Und haben sich alle Politiker „redlich bemüht“, die ganze Volkswirtschaften und Völker in die Verschuldung führen, trieben, rutschen ließen? Und das gegen alle gesetzlichen Regelungen und wider jeden gesunden Menschenverstand? Oder haben wir es nicht vielmehr allerorten und allzeit mit skrupellosen Pharisäern zu tun, die immer nur Wasser predigen, aber selbst Champagner schlürfen?

Ausgerechnet vom schwächsten Glied in der Kette verlangt man „redliches Bemühen“? Nur dann, wenn er ein solches nachweisen kann, so soll dem Schuldner die „Gnade“ gewährt werden, „sich von restlichen Schulden zu befreien“ (= Restschuldbefreiung).

Logisch also, dass eine Insolvenz nur dann Sinn macht kann, wenn der Schuldner durch die nach 5-6 Jahren ausgesprochene Restschuldbefreiung, auch dauerhaft saniert wird. Aber trifft ads auch in der Praxis für alle Schuldner zu? Mitnichten, denn die Restschuldbefreiung wirkt nicht auf Schulden, die ab Insolvenzeröffnung neu entstehen. Das muss deutlich gesagt werden: Wenn die Einnahmen die laufenden Kosten nicht decken, dann verschuldet sich der Schuldner während des Insolvenzverfahrens automatisch neu; ob er sich nun redlich bemüht oder nicht. Nicht selten werden Insolvenzschuldner daher nach Jahren von alten Schulden befreit, um von neuen Schulden, die während der sechs Jahre wieder angehäuft wurden, im gleichen Maße wie zuvor erdrückt zu werden. 😡 So etwas sollte man so nennen, was es denn auch ist: Verar….ung!

Selbst schuld, wenn der Schuldner wieder Schulden macht? Ich höre schon die ewigen Klugscheisser, die nix kapieren, aber zu allem schwafeln? Da gehe derjenige am besten in die bundesdeutsche Politik. Dort werden Schwätzer stets händeringend gesucht.

Wer sich hingegen selbst ein objektives Bild machen will, der schaue sich die Zahlen des Statistischen Bundesamtes an. Hier kann jeder Augen hat zu sehen, sehen, dass die Hälfte derjenigen, die sich bei öffentlichen Beratungsstellen wegen einer Insolvenz informieren, über ein Nettoeinkommen von unter 900 € monatlich verfügen.  🙈 Auch haben nur 1/3 dieser Personen überhaupt eine Arbeitsstelle. 2/3 hingegen beziehen ALG II (Hartz 4) oder sind aus sonstigen Gründen (z. B. Rentner, Schüler, Studenten etc.) erwerbslos.

Welches „redliche Bemühen“ soll man hier erwarten? Zu Recht kann man da nur fragen: Warum soll sich ein Schuldner die mit einem Insolvenzverfahren und der sich anschließenden Wohlverhaltensphase verbundenen Einschränkungen überhaupt antun, wenn eine ausgesprochene Restschuldbefreiung gar keine Sanierung bringen kannt.

Seit mehr als 2 Jahrzehnten werden immer mehr Menschen von der wirtschaftlichen Teilhabe im Land abgekoppelt. Löhne und Kosten im Land sind keineswegs im Gleichschritt gelaufen. 🙈 Im Gegenteil: Auf der Stelle Treten war vielfach angesagt, teilweise sogar Rückwärtslaufen. Und damit die Menschen erst gar nicht bemerken, was mit Ihnen geschieht, kultiviert man ein ordentliches Schamgefühl. So sollen Schuldner dann auch noch dankbar sein, dass ihnen überhaupt eine vermeintliche 2. Chance gewährt wird.

Bullshit ist das! Also erstens schämt euch nicht und zweitens hofft nicht auf eine vermeintliche Gnade der 2. Chance, sondern wehrt euch und pocht auf euer Recht auf Teilhabe in der Gesellschaft.

Ihr seid das Volk! Auch wenn die Regierenden euch längst als rechtlose Verbraucher an die globale Industrie verschachert hat.


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