10. Irrtum: „Am Ende der Insolvenz ist man seine Schulden los!“

Insogenes gibt Insolvenz-Tipps, wer er ist. Witzige Strichzeichnung in Cartoon-Art von Insogenes.„Nahezu jeder glaubt, dass ein Schuldner durch eine Insolvenz von seinen Schulden befreit werden könnte. Das ist nicht wahr!!! Niemand wird seine Schulden durch eine Insolvenz los. Denn eine Insolvenz ist lediglich das Verfahren, das sicher stellt, dass der gesamte pfändbare Besitz des Schuldners vom Insolvenzverwalter verwertet ist und dann gleichmäßig an die Gläubiger verteilt wird. Ist diese Verwertung abgeschlossen, so kann auch das Insolvenzverfahren aufgehoben werden. Dann ist der Weg für alle  Gläubiger wieder frei, verbliebene Forderungen – also das was in der Insolvenz nicht bezahlt wurde – vom Schuldner im Wege der Zwangsvollstreckung zu fordern (z. B. mit Hilfe von Gerichtsvollzieher, Konto- und/oder Gehaltspfändung etc.).

Dies gilt allerdings für den Fall nicht, dass der Schuldner neben der Insolvenz auch die Restschuldbefreiung beantragt hatte. Denn seit Einführung der Insolvenzordnung (InsO) wird dem redlichen Schuldner Gelegenheit gegeben, sich von seinen nach der Insolvenz verbliebenen Verbindlichkeiten zu befreien.  👍🏻 Daher merke dir: durch das Insolvenzverfahren wird das Vermögen des Schuldners auf die Gläubiger verteilt; durch das Restschuldbefreiungsverfahren wird dem Schuldner die Gelegenheit gegeben, die restlichen Schulden los zu werden.

Natürlich muss der Schuldner hierzu einiges beachten. Das Wichtigste vorab: mit dem Antrag auf Restschuldbefreiung muss der Schuldner sein pfändbares Arbeitseinkommen für die Dauer von 6 Jahren an einen Treuhänder abtreten, der vom Gericht bestimmt wird. Dieser verteilt die eingesammelten Gelder an die Gläubiger. Die Dauer dieser Abtretungserklärung wird in der Praxis oft auch Wohlverhaltensphase genannt. Manche sehen diese wie eine Art Bewährungszeit für den Schuldner, in der er gewisse Dinge – sogenannte Obliegenheiten – beachten muss.

Manch einer wird nun sagen: 6 Jahre sind 6 Jahre, ob ich das nun Insolvenz nenne oder Wohlverhaltensphase ist doch egal. Aber so einfach ist es nicht, die Unterschiede sind teilweise gewaltig. So ist der Schuldner während der Insolvenz teilweise fremdbestimmt, denn er verliert die Macht über sein Vermögen. Die Verwaltungs- und Verfügungsmacht liegt dann beim Insolvenzverwalter. Die genauen Unterschiede zu erklären, würde hier den Rahmen sprengen; deshalb nur ein krasses Beispiel: gewinnt der Schuldner während des Insolvenzverfahrens im Lotto, so fällt der Gewinn ganz in die Insolvenzmasse. Er steht dann vollkommen für die Befriedigung der Gläubiger zur Verfügung. Bei einem Gewinn in der Wohlverhaltensphase ist das völlig anders. Nun gehört der Gewinn ganz dem Schuldner. Abgeben muss er davon nichts. Seine Gläubiger gehen insoweit leer aus.“

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